Wie wirksame Atemtechniken die Entscheidungsfindung beeinflussen

Aktualisiert: 29. Juli

Atem Yoga, Atemübungen, Achtsamkeitslehrgänge für einen entspannteren Arbeitsalltag

sind mittlerweile in aller Munde. Doch wir können nicht nur unser Wohlgefühl mit bestimmten

Atemübungen beeinflussen, sondern auch unsere Entscheidungen.


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Doch wie das möglich ist und inwiefern auch unsere Hormone hier eine Rolle spielen, möchten wir in diesem Artikel näher erläutern.

Für Führungskräfte und vor allem auch Interim Manager kann dieses Wissen aktiv zu

besseren und erfolgreichen Entscheidungen führen. Aber auch abseits der allgemeinen

Einschätzung hierzu, hilft eine achtsame Atmung dabei, potenziellen Stress zu senken und

entspannter zu sein. Denn in der Forschung ist bereits heute bekannt, dass Mitarbeiter, die

sich bei der Arbeit wohlfühlen und keinem negativen Stress ausgeliefert sind, produktiver

und effizienter arbeiten können.


Unbewusste Signale im Gehirn leiten unsere Entscheidungen

Der Determinismus beispielsweise besagt, dass jede Entscheidung, welche wir mit

vermeintlichem freien Willen treffen, vorherbestimmt ist und wir eigentlich keinen direkten

Einfluss haben. Die Grundlage für diese Annahme in Bezug auf unsere

Entscheidungsfindung liegt in dem unbewussten Impuls in unserem Gehirn, dass

Entscheidungen unbewusst bereits im Vorfeld getroffen wurden. Verspüren wir nun also ein

Bedürfnis nach Schokolade, so besagt diese Theorie, dass bevor wir unser Verlangen nach

Schokolade bewusst wahrnehmen, die Entscheidung aufgrund eines unbewussten Signals

im Gehirn schon längst getroffen wurde.

Dieses Signal nennt man Bereitschaftspotenzial und führt uns letztendlich dazu, dass wir zur

Schokolade greifen und uns dazu entscheiden ein Stück zu essen. Doch woher kommt

dieser Impuls und was hat unser vegetatives Nervensystem damit zu tun? Ist es richtig, dass

Gefühle bei der rationalen Entscheidungsfindung eher stören oder sind sie viel eher

notwendig, damit wir überhaupt eine Entscheidung treffen können?


Bereitschaftspotenzial im Gehirn

Rein neurobiologisch gesehen wirkt unsere emotionale Verfassung definitiv auf unsere

Entscheidungen ein. Denn das Bereitschaftspotenzial und die Entscheidung, die wir dann

bewusst treffen, haben mit den Hormonen Dopamin, Testosteron und Serotonin zu tun.

Übrigens: Das ist auch der Grund, warum wir uns gerne für Dinge entscheiden, die uns

bereits bekannt oder vertraut sind. Der vertraute Effekt löst in unserem Körper das

Belohnungsgefühl Dopamin aus, weswegen wir eher geneigt sind, unsere Entscheidungen

auf Basis unserer Erfahrungen zu tätigen.

Der portugiesische Neurobiologe António Damásio hat 1997 durch den Fall eines kleinen

Jungens namens Elliot beweisen können, wie wichtig unsere Emotionen für unsere

Entscheidungsfindung ist. Denn Elliot hatte einen Tumor direkt hinter der Stirn im

präfrontalen Kortex, der ihm sämtliche Entscheidungen unmöglich machten. Seine Mimik

war geprägt von einer emotionslosen Gleichgültigkeit und wurde nahezu handlungsunfähig,

weil er sich nicht mal zwischen den kleinsten Dingen entscheiden konnte.

Die Auswirkungen von Stress auf unsere Entscheidungen

Aus der Notfallambulanz ist zudem bekannt, dass Menschen Schwierigkeiten dabeihaben,

sich für das Richtige zu entscheiden, wenn sie ungewöhnlichen Situationen ausgeliefert

sind. Das führt wiederum nämlich zu einer erhöhten Ausschüttung von Noradrenalin, welche

eher das bekannte “Fight or Flight” Syndrom auslösen. Der präfrontale Kortex setzt aus und

der Mensch reagiert impulsiv und trifft schlechte Entscheidungen.

In einer Studie wurden den Studienteilnehmer die Aufgabe gegeben, dass sie sich eine

bestimmte Anzahl von Ziffern merken sollen, um angeblich die Gedächtnisleistung

erforschen zu können. Allerdings ging es den Forschern eigentlich darum, herauszufinden,

wie sich Gefühl und Verstand auf die Entscheidungsfindung auswirken. Wenn die

Probanden sich mehr Ziffern merken mussten, griffen sie an einem bereitgestellten Buffet

eher zur Schokoladentorte, statt zu einem Obstsalat, als wenn sie sich weniger Ziffern

merken mussten.

Wenn der Verstand oder auch das Gehirn stärker gefordert werden, neigt das Gefühl also

scheinbar dazu, Entscheidungen mehr zu beeinflussen. Daraus lässt sich die Theorie

aufstellen, dass wenn wir Menschen gestresst sind, auch eher dazu neigen emotionale

Entscheidungen zu treffen, die schlechter durchdacht sind. Jedoch bedingen sich Gefühl

und Verstand gegenseitig bei unserem Vermögen Entscheidungen zu treffen.

Um nach diesem Exkurs nun wieder zurück auf die bessere Entscheidungsfähigkeit für

Interim Manager und Führungskräfte allgemein zurückzukommen, gilt es möglichst stressfrei

Entscheidungen treffen zu können. Wissenschaftler haben in Studien herausgefunden, dass

unsere Atmung an unserer Entscheidungsfähigkeit beteiligt ist. Die Studienteilnehmer sollten

zu einem von ihnen gewählten Zeitpunkt auf einen Knopf drücken. Die Forscher konnten

beobachten, dass die Teilnehmer immer beim Ausatmen den Knopf betätigen, nie aber beim

Einatmen.

Mehr Ruhe und Entspannung durch die richtige Atmung

Durch Atemübungen können wir gezielt einwirken, um bessere Entscheidungen treffen zu

können. Denn im Alltag atmen wir meistens nur flach in die Brust und in die Schultern hinein.

Das sorgt dafür, dass unser Sauerstoffgehalt im Körper geringer wird und unsere Zellen

folglich auch mehr oxidativem Stress ausgelöst sind. Unser Körper findet entsprechend

weniger Ruhe in sich, sondern bleibt in einem eher angespannten Zustand. Vielleicht

konnten Sie auch selbst an sich schon bemerken, dass die Atmung bei Stress, Angst und

Anspannung flacher und schneller wird. Diesen Effekt kann man auch andersherum

erzeugen, nämlich indem man mit einer bewussten Atmung den Körper beeinflussen kann.

Ziel ist es bei der richtigen Atmung nicht nur durch die Brust, sondern auch den gesamten

Bauchraum und in das Zwerchfell zu atmen. So bekommt der Körper am meisten Sauerstoff,

was wir auch oft nach körperlicher Anstrengung oft schon von selbst tun.


Wie atmet man richtig?

Die Bauch- und Zwerchfellatmung sorgt dafür, dass der gesamte Oberkörper zur Atmung

genutzt wird und das Lungenvolumen vollständig genutzt wird. Das Zwerchfell schiebt sich

beim Einatmen in den Bauchraum, sodass dieser sich wölbt. Sie können das ohne Probleme

üben, indem Sie Ihre Atmung mehrfach ertasten und beobachten, inwieweit Brust, Bauch

und die unteren Rippen sich senken und heben. So spüren Sie exakt, ob Sie die richtige

Atemtechnik anwenden.

Hilfreich bei der Anwendung der Übung ist es, dass Sie sich in aufrechter Körperhaltung

befinden, denn ein gekrümmter Rücken lässt dem Zwerchfell keinen Raum zur Ausweitung.

Auch zu enge Hosen können die Atmung stören. Lüften Sie regelmässig, damit stetig ein

Sauerstoffausgleich in der Luft stattfindet. Ausserdem sollten Sie sich mehr und mehr

angewöhnen nach dem Ausatmen eine kurze Atempause zu machen, bevor Sie wieder

einatmen. Dieser Dreierrhythmus hilft bei der bewussten Atmung und kann Stress

wirkungsvoll reduzieren.

Atemübungen und Achtsamkeit bei der Entscheidungsfindung - Fazit

Durch die Bauchatmung schafft man es richtig tiefe Atemzüge zu machen, die Geist und

Körper in ein Gefühl der Entspannung führen. Und da unser Handeln durch unsere Atmung

mitgesteuert wird, können wir so klare und bewusste Entscheidungen treffen. Achtsame

Atemübungen in den Alltag zu integrieren, führen auch im Berufsleben zu mehr Wohlgefühl,

weniger Stress und einer damit verbundenen besseren Entscheidungsfindung.



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