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Beyond Business: What 10 Days in Senegal Revealed About Partnership and Responsibility

Reisebericht Senegal, Loïc und Daniel vom 29. April bis 9. Mai 2026

Ankunft in Dakar – Realitätsschock mit Humor (Mittwoch, 29. April)

Kaum aus dem Flugzeug gestiegen, wurden wir in Dakar sofort freundlich, aber bestimmt daran erinnert: Willkommen in Afrika – hier gelten eigene Regeln.

Daniels Fahrausweis war nämlich schneller weg, als wir „Bonjour Monsieur l’Agent“ sagen konnten. Grund: falsch parkiert. Klassiker.

Es folgte eine Phase intensiver, überraschend herzlicher Verhandlungen mit den Polizisten, begleitet von viel Smalltalk, Gelächter und Geduld. Ergebnis: 3’000 CFA-Bussgeld und rund eine Stunde Storytelling. Danach kannten wir uns fast persönlich.

Anschliessend begann die nächste olympische Disziplin: den richtigen Bankomaten finden, um CFA zu ziehen, und gleichzeitig eine SIM-Karte mit satten 160 GB aufladen – denn hier gilt: Wer nicht erreichbar ist, existiert nicht.

Im Rhino Resort in Saly meldete sich schliesslich der Hunger. Dumm nur: Das Restaurant war bereits geschlossen.

Die Rettung kam von der Bar: Steak mit Reis und Pommes – sagen wir mal kulinarisch eher „British Style“, aber absolut perfekt nach diesem Start.

 

Bild: Loïc und Daniel; Abflug aus Zürich und Reise ins Unbekannte.

 

Bild: Unterwegs im Grossraum Dakar/Saly – Eindrücke vom Start der Reise; Polizei.

 

Bild: Ankommen, durchatmen, Busse bezahlen. „Willkommen in Afrika.“

 

Bild: Abendstimmung in Saly – erster Tagesabschluss nach viel Improvisation.


 

Mbissel, Baobab sacré & Atlantik (Donnerstag, 30. April)

Am 30. April trafen wir Raymond beim Baobab sacré – einem Ort, der sofort Respekt einflösst. Gross, alt, mächtig. Fast so, als hätte der Baum alles gesehen. Wahrscheinlich hat er das auch.

Danach ging es zu Raymonds Bauernhof in Mbissel, wo wir herzlich empfangen und mit Couscous und Fisch bewirtet wurden. Keine Deko, kein ChiChi – aber 100 % echte Gastfreundschaft.

Weiter ging’s zu den Mangroven am Atlantik: Weite, Ruhe, Natur pur. Einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer spricht – und langsamer denkt.

Raymond zeigte uns anschliessend auch seine neue Behausung, aktuell noch eine halbe Baustelle: Rund die Hälfte des Daches fehlt. Er erzählte offen, dass für die Fertigstellung noch etwa 630’000 CFA nötig wären – ehrlich, direkt, ohne Drama.

Am Abend dann Nachtessen im „Poulo Black and White“ in Mbour – zusammen mit Raymonds Frau Emilie sowie den Söhnen Daniel und Thimoté. Ein Abend mit viel Lachen, Nähe und dem Gefühl: Man ist nicht Gast, sondern fast Familie.

 

Bild: Besuch in Mbissel – Gastfreundschaft und Alltag auf Raymond Kaling’s Bauernhof.

 

Bild: Baobab sacré – ein mächtiger, ehrfurchtgebietender Baum als spiritueller Ort.

 

Bild: Mangroven am Atlantik – Weite, Ruhe und Natur pur.

 

Bild: Abend in Mbour – gemeinsames Essen im „Poulo Black and White“ mit Raymonds Familie.

 

Landwirtschaft unter Extrembedingungen (Freitag, 1. Mai)

Der 1. Mai war kein Feiertag, sondern „Landwirtschaft live“, erneut mit Raymond als Guide.

Erste Station: Gaiki Gning. Viele Mandarinen und Zitronenbäume und – für senegalesische Verhältnisse ein echtes Asset – Wasser satt.

Ein 80-Meter-Brunnen liefert stabil. Was fehlt: stärkere Solarpanels und eine kräftigere Pumpe, um das volle Potenzial auszuschöpfen.

Danach ging es weiter zu Khady (Kaddy) Saar nach Fissel – bei gemütlichen 42 Grad.

Ihr Hof: Hühner, einige bereits schlachtreif, viel Betrieb, viel Energie. Die Familie: fröhlich, offen, ansteckend, gut gelaunt.

Khady selbst war gerade in Dakar, aber per WhatsApp voll dabei. Auch hier ist der Bedarf klar: Solarpanels, ein Tiefkühler und eine Pumpe – kleine Mittel, grosse Wirkung.

Zurück in Mbour, noch vor dem Nachtessen, gönnten wir uns einen Einkaufsbummel gegenüber dem Restaurant Poulo.

Resultat: ein Senegal-T-Shirt, ein massgeschneidertes Hemd und meterweise farbenfrohe afrikanische Stoffe.

Highlight: der Laden „Cheikh pas cher“ – Name Programm, Händler sympathisch, Preise unschlagbar.

Am Abend dann nochmals Poulo, gefolgt von der Verabschiedung von Raymond – herzlich, ehrlich, nicht ganz ohne Kloss im Hals.

 

Bild: 1. Mai-Umzug in MBour, Motto «Non à la Foire» – das sagt uns nichts; aber friedlich und laut.

 

Bild: Begegnungen auf dem Hof – Menschen, Tiere und Alltag in Fissel/Umgebung.

 

Bild: Gaik Gning, Gemüsebauer, Obstbauer und Unternehmer“.

 

Bild: Abschied von Khaddy Saar und ihren Schwestern.

 

Weiterflug in die Casamance (Samstag, 2. Mai)

Am 2. Mai hiess es: Süden ruft.

Zuerst die Rückgabe des Mitsubishi RVR am Flughafen Dakar. Dabei mussten alle Baobab-Figuren-Einkäufe kunstvoll in die letzten Taschen umverteilt und dort bei der Gepäckaufbewahrung deponiert werden. Afrika lehrt Improvisation.

Der Flug brachte uns nach Cap Skirring.

Dort übernahmen wir einen Mitsubishi Pajero Sport, checkten im Hotel La Paillote ein – und ab in den Atlantik. Erstes Bad, erste Abkühlung, erste Glücksgefühle.

Nebenbei lief im Ort eine Musik- und Schwinger-Veranstaltung („Undo Mayo“) – wir hörten sie nur aus der Ferne, aber sie legte sich wie ein Soundtrack über den Abend.

Schlussakt des Tages: Saucisse Créole. Einfach, lokal, glücklich.

 

Bild: Markt in Saly – frischer Fisch aus dem Atlantik.

 

Bild: Holzbildhauer am Werk.

 

Bild: Unterwegs in Cap Skirring – der witzige neugierige Schwarkranich beobachtet uns genau.

 

Bild: Atlantik in der Casamance – erstes Bad, erste Abkühlung, erste fruchtige Drinks.

 

Freier Tag & Casamance von der Wasserseite (Sonntag, 3. Mai)

Der 3. Mai war offiziell der Tag des langsamen Tempos.

Mit Ferdinand ging es per Boot auf den CasamanceFluss – Mangroven, Wasser, Stille. Eine Landschaft, die den Puls automatisch senkt.

Zu Mittag gab es Poulet Yassa. Kleine Anekdote: Mein Teller wurde in der Küche kurzzeitig im Sand geparkt.

Geschmack: top.

Nebeneffekt: knirschende Zähne. Afrika eben – authentisch bis zum Schluss.

Am selben Tag folgte noch eine Pirogen-Ausfahrt durch die Mangrovenseen, inklusive Besuch des kleinen Dorfes Dourang. Ruhig, schlicht, echt. Kein Programm – nur Leben.

 

Bild: Am Strand gibt es mehr Kühe als Menschen und die streiten sich in keiner Weise um einen Liegeplatz.

 

Bild: Unser weisses Aussehen zieht die Kinder an.

 

Bild: Dourang/Umgebung – Dorfleben in der Casamance, ruhig und schlicht.

 

Bild: Cap Skirring als „Slow Travel“-Kulisse mit vielen Strand und Kühen.

Auf Achse Richtung Casamance & kleine Pannen mit Charme (Montag, 4. Mai)

Am 4. Mai hiess es Abschied nehmen von La Paillote – Checkout, letzter Blick aufs Meer, weiter ging’s Richtung Ziguinchor.

Auffällig: Die Stadt war extrem sauber. Kaum Müll, fast schon geschniegelt. Warum wohl? Ordnung scheint hier tatsächlich ein Geschäftsmodell zu sein.

Erster wichtiger Halt: Besuch bei Moustapha Diouf, dem Bankdirektor des Crédit Agricole du Sénégal.

Eigentlich wollten wir dort gemeinsam mit Assat eine Überweisung abschliessen. Sie war extra aus Dakar nach Bignona gereist. Leider:

– lange Reise,

– todmüde,

– verschlafen,

– Handy leer.

Kurz: Assat war physisch irgendwo zwischen Dakar und Bignona – digital aber komplett verschwunden. Überweisung vertagt. AfrikaTiming at its best.

Weiter ging’s zum Lycée Technique Agricole Emile Badiane, wo uns Ficou ausgesprochen herzlich empfing.

Bei einem Rundgang durch die Anlage zeigte er uns die landwirtschaftlichen Ausbildungsbereiche – inklusive einer sehr rudimentären Milchverarbeitungseinheit. Improvisiert, einfach, aber funktional. Ausbildung mit Bodenhaftung.

Danach noch rasch Bananen kaufen und NüssliFutter (Le diesel humain du Sénégal) besorgen – Proviant für unterwegs – und weiter Richtung Kafountine.

In Touba Tranquille wurden wir dann von einem freundlichen, aber sehr genauen Polizisten angehalten. Er studierte die Autopapiere mit ernster Miene – gründlich, Seite für Seite.

Resultat: Alles falsch versichert. Eigentlich ein klarer Fall von Auto konfiszieren.

Doch statt Drama entschied sich der Polizist für die diplomatische Variante:

Er rief kurzerhand Vermieter Cheikh Fall an, lachte viel, verhandelte charmant – und 15 Minuten später kamen alle korrekten Papiere per WhatsApp. Moderne Bürokratie.

Ein Bonusmoment: Meine Militärstiefel.

Der Polizist musterte sie, staunte, stellte keine weiteren Fragen – und verabschiedete uns freundlich. Ausrüstung kann Leben retten.

Weiter ging die Fahrt – durch Sand, leicht holprig, aber wunderschön – bis zur Esperanto Lodge.

Zum Nachtessen gab es frisches Gazellenbier, Brochette aus Lotte mit Reis, dazu Tomaten und etwas, das verdächtig nach Mozzarella aussah (oder zumindest so schmeckte).

Um 21 Uhr waren wir dann schlicht totmüde. Ende eines intensiven, typisch afrikanischen Tages: chaotisch, herzlich, voller Geschichten.

 

Bild: Der Direktor Ibrahima Abdoul Aziz Ficou des Lycée Technique Agricole Emile Badiane.

 

Bild: Lycée Technique Agricole Emile Badiane und die Einheit Lebensmittelverarbeitung.

 

Bild: Esperanto Lodge, wo Loïc und ich während drei Tagen die einzigen Gäste waren.

 

Bild: Das Kamäleon weiss in der Dunkelheit nicht, welche Farbe es annehmen soll.


Landwirtschaft, Buschpisten & Polizeikunde (Dienstag, 5. Mai)

Der 5. Mai begann mit einem landwirtschaftlichen Schwerpunkt – und endete, wie so oft im Senegal, mit Geschichten.

Wir besuchten die Gemüsebauern in der Region Diouloulou, konkret Boubacar Goudiaby und Abdina Diedhiou.

Doch vorher ein Déjà-vu: Der Gendarm von Touba Tranquille stand plötzlich wieder vor uns. Gleiche Uniform, gleicher prüfender Blick – aber diesmal: alle Papiere in Ordnung. Ufff.

Ganz fertig war er damit allerdings noch nicht. Er suchte weiter und bat uns schliesslich, ihm die Funktion des Pannendreiecks zu erklären. Verkehrssicherheit zum Anfassen – wir haben die Prüfung bestanden.

Kurz darauf wartete Boubacar bereits auf der Hauptstrasse – auf seinem schönen roten Töff, nach exakt vier Bodenschwellen. Er führte uns durch den Busch zu seiner Farm.

Man merkte sofort: Er ist stolz. Und das zu Recht.

Er zeigte uns seinen Neubau, bestehend aus Ladengeschäft und Lagerraum, dazu 3 Hektar Land mit Orangen, Mandarinen und Papaya.

Die Bewässerung läuft über Solarpanels, der Betrieb ist sehr gut organisiert, sogar mit einem Praktikanten. Alles war sauber gewischt und aufgeräumt – Schweizer Ordnung im senegalesischen Busch.

Seine Schwester Fatou sass am Kochherd – einer klassischen afrikanischen Kochhütte mit Bodenfeuerstelle.

Zum Abschied schenkte uns Boubacar einen ganzen Sack Orangen und Mandarinen für die Rückreise. Grosszügigkeit pur.

Danach fuhr Boubacar mit seinem Töff bis Diouloulou, stellte ihn dort ab – und wir fuhren zu dritt im Pajero weiter zu seinem Freund und Nachbarbauern Abdina.

Die Sandstrasse war rot, holprig und in miserablem Zustand – auf jedes Loch folgte garantiert das nächste. Bonus unterwegs: Affen am Strassenrand.

In Koudioube zeigte uns Boubacar einen Schleichweg, exakt so breit wie unser Mitsubishi Pajero – etwa 10 Ellen, gefühlt millimetergenau.

Nach 16 Minuten erreichten wir den Hof von Abdina. Dort empfingen uns seine Frau und die kleine Tochter Bettina – Abdina selbst war noch in Gambia.

Sie führte uns stolz über den Hof: Zitronensetzlinge, Ananas, Hibiscus (Bissap), dazu acht Schweine und einen Eber.

Kurz darauf kam Abdina tatsächlich mit dem Velo aus Gambia zurück – er hatte dort Wasserhähne gekauft, weil sie dort günstiger waren. Logistik à la Casamance.

Er zeigte uns nochmals voller Stolz seinen Betrieb, fütterte die Schweine und kümmerte sich sehr fürsorglich um seine kleine Tochter.

Kein Strom, Wasser aus dem Brunnen. Pläne für die Zukunft gibt es trotzdem: Poulet-Produktion mit 100–200 Bibelis – der Stall ist bereits vorbereitet.

Auch Abdina scheckt uns ebenfalls einen riesen Sack voller Orangen und Mandarinen.

Auf der Rückfahrt durfte ich endlich Loïc am Steuer ablösen und mich selbst durch die Löcher kurven – ein kleines persönliches Erfolgserlebnis.

Kaum in der Esperanto Lodge angekommen, holte uns der "Rhume des Fesses" ein – noch bevor wir die Hüttentüren öffnen konnten.

Dann: Baden im warmen Atlantik bei Sonnenuntergang.

Zum Nachtessen gab es Hacksteak mit … Überraschung … Reis.

Um 21 Uhr waren wir erneut todmüde. Ende eines langen, intensiven, wunderschönen Tages.

 

Bild: Farmbesuch bei Diouloulou – Hier ist die Schwester von Boubacar Goudiaby, Fatou.

 

Bild: Einblick in Felder, Bewässerung und Organisation.

 

Bild: Hof-/Familienalltag bei den Bauern – Tiere, Arbeit und Besuchsmomente mit Adbina Diédhiou.

 

Bild: Adbina Diédhiou auf seinem Hof mit seiner Tochter Bettina, seiner Frau Sari, seinem Berufskollegen Boubacar Goudiaby.

Rauch, Reis und Tintenfisch (Mittwoch, 6. Mai)


Ruhetag und reisefreier Tag

Heute stand offiziell nichts auf dem Programm – also Ruhetag. Inoffiziell bewegten wir uns trotzdem genug. Am Vormittag machten wir einen Beach Walk von der Esperanto Lodge nach Kafoutine.

Schon unterwegs fiel auf, dass es am Strand mehr Kühe als Menschen gab. Die wenigen Menschen, die gerade nicht mit Kühen beschäftigt waren, sammelten tote, angespülte Fische ein. Der Strand als Mischung aus Weide, Marktplatz und Recyclinghof.

Dann kamen wir zu den senegalesischen Pirogen. Hunderte, vielleicht Tausende, bunt wie ein Farbkasten nach einem Erdbeben, dicht an dicht am Strand. Dazwischen: Arbeit. Harte, strenge Arbeit. Die Fischer kamen an, kippten ihren Fang direkt auf den Sand, und sofort begann das grosse Geschäft. Es wurde sortiert, geschätzt, gezählt, bezahlt, diskutiert, wieder gezählt – und am Ende doch bezahlt.

Der Fisch landete in Plastikkisten und wurde im Laufschritt von Kolonnen junger Männer zur Verarbeitung getragen – lautstark motiviert, teilweise eher angetrieben als angefeuert. Über allem hing dichter, kräftiger Rauch. Ein Teil des Fisches trocknete in der Sonne, ein anderer wurde auf befeuerten Tischen geräuchert. Der Sand war schwarz verkohlt vom Feuer, der Rauch kroch in die Haare, die Kleidung und die Lunge. Nach kurzer Zeit sahen wir selbst aus wie Einheimische – zumindest von den Füssen abwärts.

Wir lernten Kofi aus Togo kennen, der einige Zeit in Winterthur in der Schweiz gelebt hatte. Er erzählte uns von seiner Zeit in der Schweiz und von den Bergen zwischen Uri und Lausanne. Die seien wunderschön, sagte er – allerdings habe er dort vor allem eines gehabt: Höhenangst. Je schöner die Aussicht, desto grösser das Unbehagen.

Am Nachmittag folgte ein Bad im Meer, um Rauch, Fisch und Strand zumindest teilweise loszuwerden. Später gab es einen Cocktail und ein Abendessen: Nur Loïc hatte keinen Reis, sondern ein Sandwich – medizinisch begründet wegen „Rhum des Fesses“. Ich hingegen bestellte Reis mit einem mir unbekannten Fisch. Es stellte sich heraus: Tintenfisch. Überraschung gelungen.

Den Reisebericht schrieben wir noch am selben Abend. Wir waren gut ausgeruht. Und zum ersten Mal seit Tagen mussten wir auch keine Schlaglöcher umfahren. Ein echter Ruhetag eben.

 

Bild: Pirogen am Strand von Kafountine – viele bunt bemalte Fischerboote nebeneinander.

 

Bild: Fischverarbeitung am Strand – Räucher- und Trocknungsplätze, dichter Rauch in der Luft.

 

Bild: Gedränge auf dem Wasser – Menschen in einem Boot zwischen Fischeralltag und Transport.

 

Bild: Strand bei Sonnenuntergang – warmes Licht und zwei rote Pfosten im Vordergrund.

Von Abschieden, Agronomie und angebrüllten Badegästen (Donnerstag, 7. Mai)

Am Morgen hiess es, Abschied nehmen von der Esperanto Lodge. Ein herzliches Lebewohl von Eric und seiner Crew – freundlich, aufmerksam und wie immer bestens organisiert. Eric erklärte uns noch geduldig die im Senegal üblichen Überweisungsmethoden mit Sendwave und Wave. In der Theorie sehr praktisch, in der Praxis für uns leider nutzlos: Ohne senegalesische Telefonnummer keine Überweisung. Digitalisierung hat eben auch geografische Grenzen.

Dann ging es auf holpriger Strecke Richtung Bignona. Unterwegs eine weitere Polizeikontrolle, diesmal sehr entspannt: Ausweise zeigen, freundlich nicken – keine Waffen vorweisen, keine Unterhosen präsentieren und auch keine Militärschuhe erklären müssen. Wir kommen langsam in die Übung.

Die Suche nach Mame Samba gestaltete sich abenteuerlich. Mit dem Auto über den Friedhof, dann links, rechts, wieder links – und plötzlich waren wir verloren. Mame Samba löste das Problem pragmatisch: Er fand uns per WhatsApp und kam kurzerhand mit seinem Töff. Senegalese Navigation funktioniert.

In seinem Betrieb wurden wir herzlich empfangen. Zwei männliche Praktikanten arbeiteten im sehr gepflegten, grünen Gemüsebereich. Mame Samba setzt konsequent auf Mischkulturen mit mindestens drei Gemüsearten. Häufig wächst Mais zur Beschattung, darunter Sellerie – unter anderem zur Krankheitsvorbeugung und für eine längere Nutzung der Fläche. Bewässert wird effizient mit Tropfbewässerung und ergänzend mit Giesskannen.

Der Gartenteil mit Setzlingen und Obstbäumen ist ebenso sorgfältig gepflegt und wird von zwei Praktikantinnen betreut. Dort wachsen Papaya, Bananen, Avocado, Mango und Kokosnüsse – alles in bemerkenswert gesundem Zustand.

Begleitet von mehreren kleinen Kindern und einem verwaisten Zicklein zeigte uns Mame Samba anschliessend den Tierbereich: Schafe, Hühner und Pintaden. Ein imposanter Schafbock mit beeindruckender anatomischer Ausstattung sorgt hier zuverlässig für Nachwuchs.

Technisch läuft nicht alles rund: Die neu gekaufte Bewässerungspumpe verbraucht zu viel Strom für die vorhandenen Solarpanels. Mame Samba wird versuchen, sie mit einem Techniker korrekt zu installieren oder andernfalls wieder zu verkaufen. Auch die geplante Fischzucht ist noch in der Testphase: Ein kleines Becken existiert, funktioniert jedoch noch nicht zufriedenstellend. Geplant ist ein Neubau an einem anderen Ort, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Zusätzlich gibt es ein Projekt für ein Treibhaus – der genaue Zweck ist noch nicht ganz klar, die Idee noch nicht ausgereift.

Was hingegen sehr klar ist: Mame Samba denkt ökologisch, kennt agronomische Zusammenhänge hervorragend, gibt Unterricht und arbeitet eng mit Kollegen zusammen, insbesondere im Verkauf. Zusätzlich besitzt er rund drei Hektar Land etwa 80 Kilometer entfernt, das er als Projekt entwickeln möchte: Zaunbau, Entwässerungsgräben, Viehzucht und Gemüsebau. Das Projekt ist noch nicht vollständig ausgearbeitet und auch finanziell noch nicht beziffert.

Zum Abschied stellte er uns seine junge Frau, sein neugeborenes Mädchen, seine Mütter, Brüder und zahlreiche Cousins vor – davon hat er viele. Als Geschenk bekamen wir zwei Gurken. Ehrlich, praktisch und sehr passend.

Danach verliessen wir das heisse Bignona Richtung Ziguinchor über teilweise mit Steinen gepflasterte Strassen. Die Löcher darin waren so gross wie ein Camion – oder zumindest fühlte es sich so an.

In Ziguinchor trafen wir Ibou, den ehemaligen Proviseur der LTAEB, der heute im Ruhestand ist. Am Tag seines Ruhestands schlief er zehn Stunden am Stück. Seither ist er wieder aktiv, vor allem im Obstanbau: Orangen, Mandarinen und Zitronen. Ibou ist eine äusserst intelligente und hervorragend ausgebildete Persönlichkeit. Sein Ingenieurstudium absolvierte er in Toulouse, Montpellier und Dijon; danach war er als Direktor eines landwirtschaftlichen Ausbildungsinstituts weltweit unterwegs – unter anderem in den USA, Kanada und Spanien. Eine bemerkenswerte Person.

Am Abend Rückfahrt nach Cap Skirring und ein wunderbares Bad im Meer bei Sonnenuntergang. Die Kühe am Strand beobachteten uns aufmerksam und kommentierten unser Badeverhalten lautstark. Offenbar sollten wir uns besser eincremen und auf keinen Fall zu weit hinausschwimmen.

Danach Apéro bei einem leicht überforderten, aber sehr amüsanten Barkeeper, der sichtlich unter zu vielen Coupe d’Or litt. Zum Abendessen gab es Schweinsvoressen mit Ingwersauce und frischen Butterbohnen, dazu Flag. Zum Dessert Nougat au Coco und eine kaum zu bewältigende Menge Profiteroles mit Schokoladensauce.

Müde, satt und zufrieden: spät ins Bett.

 

Bild: Gemüsesparzellen bei Mame Samba Ndiaye – gepflegte Beete mit Mischkulturen, Papayas im Hintergrund.

 Bild: Schafe in einem einfachen Hof – Tierhaltung im ländlichen Umfeld.

 

Bild: Bananenstaude – grosses Bündel fast reifer Bananen unter blauem Himmel.

 

Bild: Besuchsszene vor Ort – Gruppenfoto/Mame Samba und seine Cousins.

 

Bild: Ziguinchor, die Hauptstadt am Fluss Casamance, mit dem Gründer und ehemaligen Direktor des Lycée Technique Agricole Emile Badiane in Bignona; Ibou Diedhiou.

Zwischen Palmen, Badehose und Boarding-Stress (Freitag, 8. Mai)

Der Tag begann ruhig und entspannt. Nach den intensiven letzten Tagen gönnten wir uns am Morgen erst einmal etwas Schlaf. Danach folgte unser letztes Frühstück im Hotel Payotte – ein ganz besonderer Moment: mit Blick auf das Meer, Palmen im Wind und dieser typischen senegalesischen Gelassenheit, die man sofort vermissen wird.

Hotelchef Christian kam persönlich vorbei und teilte uns mit, dass wir erst um 15:00 Uhr auschecken müssen. Perfekt – denn genau um diese Zeit hatten wir uns mit Abdouser zur Rückgabe unseres Mitsubishi am Flughafen Cap Skirring verabredet.

Nach dem Frühstück zog es Loïc an die Bar. Mit einem Buch in der Hand und mehreren fruchtigen Mocktails liess er den Vormittag entspannt vorbeiziehen. Ich nutzte die Zeit, um meine E-Mails zu bearbeiten, und gemeinsam schrieben wir noch unseren Reisebericht für den 6. und 7. Mai – ein schöner Abschluss der vergangenen Etappen.

Um 14:30 Uhr hiess es dann endgültig: Sachen packen. Wir verstauten unser Gepäck, fuhren noch kurz tanken und waren pünktlich um 15:00 Uhr am Flughafen, wo wir das Auto wie vereinbart an Abdouser übergaben.

Der anschliessende Check-in am Flughafen Cap Skirring war … sagen wir: sehr afrikanisch. Die Abfertigung verlief gemächlich, und als es gleich zweimal zu einem Stromausfall kam, reagierten die wartenden Passagiere mit Applaus und aufmunternden Zurufen für das sichtlich gestresste Flughafenpersonal – eine bemerkenswert herzliche Atmosphäre.

Es deutete sich schnell an, dass unser Flug Verspätung haben würde. Dann der nächste kuriose Moment:

Ein geschäftiger Mann rief laut durch die Halle:

„Wer ist Herr Rolland?“

„Herr Rolla aus dem Hotel Payotte?“ – damit konnte eigentlich nur ich gemeint sein. Und tatsächlich: Er hatte mich gesucht, um mir in einer Apotheken-Tüte meine im Hotel vergessene Badehose zu überreichen.

Wow – was für ein Service! Die umstehenden Leute schmunzelten, wir auch.

An der Bar genehmigten Loïc und ich uns anschliessend unser letztes senegalesisches „Flag“-Bier. Kurz darauf war klar: 2 Stunden Verspätung. Stress kam auf – denn unser Anschlussflug von Dakar nach Madrid rückte in gefährliche Nähe.

Dann die nächste Hiobsbotschaft:

Der Flug ging nicht direkt nach Dakar, sondern mit einer Zwischenlandung in Banjul (Gambia).

Merde.

In Dakar hatten wir noch einen Rucksack im Gepäckdepot, den wir erst nach vollständigem Auschecken und erneuter Gepäckaufgabe erhalten würden. Ein Wettlauf gegen die Zeit begann.

Aufgabenteilung im Highspeed-Modus:

  • Loïc kümmerte sich um das Frachtgepäck 

  • ich um den deponierten Rucksack 

Allein das kostete 40 Minuten – es blieben nochmals 40 Minuten bis zum Abflug.

Gepäckkontrolle, Check-in – geschlossen, sagt das Bodenpersonal.

Scheisse.

Dann erscheint ein elegant gekleideter, dunkel angezogener Chef. Wir erklären ihm die Situation: die Verspätung in Cap Skirring, der Anschlussflug nach Madrid und der Heimweg.

Er hört zu – und öffnet den Check-in wieder.

Ein echter Rettungsmoment.

Ab jetzt nur noch reiner Sprint: Gepäck aufgeben.

Pass-Scan.

Fingerabdruck.

Security.

Plötzlich Panik: Wo ist mein Handy?

Rückwärtslauf zu den Leuten, denen ich es zuvor beim Ticketzeigen in die Hand gedrückt hatte – keine Chance, nichts zu finden.

Also los. Boarding.

Am Gate steht wieder der elegant gekleidete Bodenchef – und winkt mir mit meinem Handy zu. In Afrika geht nichts verloren.

Völlig verschwitzt, aber erleichtert steige ich klatschnass in den Flieger.

Fünf Stunden später landen wir in Madrid.

Wir haben 4 Stunden Aufenthalt.

Der Stress ist weg.

Der Hunger ist da.

 

Bild: Letzter Abend in Cap Skirring – Sonnenuntergang über Palmen und einem ruhigen Meer.

 

Bild: Loïc und ich sind sichtlich zufrieden und beeindruckt von unserer Reise zu den Landwirten im Senegal.

 

Bild: Abflug Cap Skirring – Flugzeug am Rollfeld mit Bodencrew und Passagieren.

 
 
 

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